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Streitende am runden Tisch versammeln
Violetta Feuerbacher ist professionelle Mediatorin: In ihrer neu
eröffneten Praxis möchte sie zwischen Streithähnen vermitteln
Ob Fernseh-Richterin Barbara Salesch oder „Strafgericht": TV-Gerichtsshows leben von Nachbarschaftsstreits, kriselnden Partnerschaften, zerrütteten Ehen. Violetta Feuerbacher lebt von Versöhnung: In ihrer soeben eröffneten Mediationspraxis versucht die gelernte Rechtsanwaltsgehilfin Streitigkeiten zu schlichten - bevor es zu einem Gerichtsverfahren kommt.
Von Annette Grüninger
Am Fensterbrett reiht sich Grünpflanze an Grünpflanze. Neben dem PC, einer nostalgischen Schreibmaschine und mehreren Laptops nimmt eine farbenprächtige Orchidee den größten Teil der Arbeitsfläche ein - und auch im Umgang mit Menschen scheint Violetta Feuerbacher einen grünen Daumen zu besitzen: „Erarbeitetes ernten - Neues gedeihen lassen" ist der blumige Slogan, mit dem die professionelle Schlichterin wirbt.
Wie ein gewöhnliches Büro sieht sie auch sonst nicht aus, die Mediationspraxis im Erdgeschoss des Heidenheimer Einfamilienhauses. Schon eher wie ein gemütliches Wohnzimmer:
Neues gedeihen lassen" möchte die professionelle Besänftigerin Violetta Feuerbacher: In ihrer neu eröffneten Praxis sollen Konflikte außergerichtlich gelöst, streitende Parteien versöhnt werden.Foto: ang
Bunte Bilder hängen an den hell tapezierten Wänden, gerahmte Familienfotos umgeben den kleinen Arbeitsplatz am Computer, und in der arideren Ecke des Raumes hat Feuerbacher mehrere gepolsterte Wohnzimmerstühle um einen runden Tisch gestellt.
Der runde Tisch - für Feuerbacher das Zentrum ihrer Arbeit: „Bei der Mediation geht es darum, die Streitenden an einen Tisch zu bringen, um miteinander zu reden." Aufgabe des Mediators sei die Vermittlung zwischen den zerstrittenen Parteien. „Ich gebe keine Vorschläge, ich sitze nur da und leite das Gespräch."
Und allein das sei mitunter eine echte Herausforderung: Partnerschaftsprobleme, Nachbarschaftskonflikte und Erbstreitigkeiten gehören genauso zum Aufgabengebiet eines Mediators wie Mobbing in Schule und Beruf. „Die Methode ist im Prinzip überall die gleiche", erzählt die mehrfache Mutter, „auch wenn mein Herz eindeutig an der Familienmediation hängt." Scheidungen machten dabei den Hauptbestandteil der Arbeit aus. „Unsere Aufgabe ist es aber nicht, die Ehe zu retten", beschreibt Feuerbacher ihr Tun. Vielmehr gehe es darum, die Trennung möglichst konfliktarm zu gestalten, „auch der Kinder wegen". Allein durch Gespräche könne die Aggression der zerstrittenen Partner abgebaut werden. Daneben sollen Probleme wie Unterhaltszahlung, Umgangsrecht mit den Kindern oder Besitzaufteilung bereits im Vorfeld der Scheidung, während acht bis zehn Mediationssitzungen, geklärt werden.
Bei derart juristischen Fragen kann die; gelernte Rechtsanwaltsgehilfin auf ihre berufliche Erfahrung zurückgreifen. Jahrelang war die gebürtige Unterfränkin bei einem auf Familienrecht spezialisierten Anwalt in Stuttgart beschäftigt, der selbst als Mediator arbeitete. Nach ihrer zweiten Heirat kam Feuerbacher schließlich nach Heidenheim, wo sie sich über ihre berufliche Zukunft Gedanken machte: „Ich bin kein trockener Schreibtischmensch."
Ihre „soziale Ader" habe sich dagegen „wie ein roter Faden` durch ihr Leben gezogen, meint Feuerbacher, die eigentlich Lehrerin werden wollte. Mediation liege im Grenzbereich zwischen Rechtslehre und Psychologie, neben juristischen Grundkenntnissen seien auch allerhand Einfühlungsvermögen, psychologisches Geschick und Fingerspitzengefühl erforderlich. „Das kann man nicht lernen, das kommt einfach mit der Lebenserfahrung", so die 51-Jährige.
Der Beruf des Schlichters führe so zwar über den Weg einer soliden Ausbildung, etwa beim Stuttgarter Institut für Konfliktbewältigung, setze jedoch gewisse Charaktereigenschaften voraus: „Die psychische Belastung ist groß." Mehr als zwei Mediationen pro Tag, wobei eine Sitzung in,der Regel nicht länger als eineinhalb Stunden dauern sollte, seien deshalb fast unmöglich.
Trotzdem ist sich Violetta Feuerbacher sicher, den richtigen Beruf für sich gewählt zu haben: „Das ist meine Welt, dort kann ich mich ausleben." Eine Welt, die auch in Heidenheim Zukunftsperspektiven verspricht: „Mediation ist die Zukunft", ist Feuerbacher überzeugt, „auch weil es günstiger ist, als Streitigkeiten von Anwälten ausfechten zu lassen."
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